Pflege und Haltung von Hamstern

Auf einen Blick:

 

  • Goldhamster werden im Durchschnitt nur 2-3 Jahre alt

  • können in der Wohnung kaum artgerecht gehalten werden

  • schlafen fast den ganzen Tag über und werden erst abends aktiv

  • sind ausgesprochene Einzelgänger

  • haben ein großes Laufbedürfnis und brauchen daher geräumigen Käfig

  • sind keine Vegetarier und benötigen für eine ausgewogene Ernährung auch tierisches Eiweiß

  • sind für Kinder, die sich tagsüber mit dem Tier beschäftigen wollen, nicht geeignet.

 

Allgemeines

Viele Menschen fühlen sich der Natur verbunden und möchten gerne ein Haustier halten. Oft sind es gerade Kinder, die sich ein Tier wünschen und große Freude an dem neuen Hausgenossen haben. Doch vor der Anschaffung eines Haustieres sollte man sich darüber im klaren sein, dass man damit die Verantwortung für das Wohlergehen des Tieres übernimmt.

Ein im Käfig gehaltener Goldhamster lebt in totaler Abhängigkeit vom Menschen, er benötigt tägliche Pflege und Zuwendung. Es ist daher wichtig, sich zuvor gründlich über die Bedürfnisse des neuen Hausgenossen zu informieren, um seinen Ansprüchen an die Haltung möglichst gerecht zu werden.

Goldhamster werden erst abends aktiv. Für Kinder, die sich tagsüber mit dem Tier beschäftigen wollen, ist ein Goldhamster daher nicht das geeignete Haustier. Es kommt hinzu, dass die Lebenserwartung des Goldhamsters mit 2-3 Jahren sehr kurz ist. Der frühe Tod des lieb gewonnenen Spielgefährten kann für Kinder eine starke Belastung sein.

Die artgerechte Haltung eines Goldhamsters ist in der Wohnung kaum möglich. In der Regel hat der Hamster nicht die Gelegenheit, Höhlengänge anzulegen, und sein Laufbedürfnis kann im Käfig nur in unnatürlicher Weise durch ein Laufrad befriedigt werden. Intensive, tägliche Betreuung in den Abendstunden kann diesen für das Tier sein wesentlichen Mangel zwar etwas ausgleichen. Doch jeder Tierfreund sollte sich genau überlegen, ob er ein Tier halten möchte, dessen arteigenen Bedürfnissen er nicht hinreichend gerecht werden kann. Jeder, der einen Goldhamster erwirbt, trägt schließlich dazu bei, dass weitere Tiere gezüchtet und in unnatürlicher Art und Weise gehalten werden.

Wer sich dennoch für einen Goldhamster als neues Familienmitglied entschieden hat, soll nachfolgend einiges über das Leben und die Bedürfnisse dieses Tieres erfahren.

 

Herkunft und Verhaltensweisen

Ursprünglich stammt der Goldhamster aus Syrien. Sein Lebensraum ist die Steppe. Dort lebt er in röhrenähnlichen Bauten, die bis 2,5 m unter die Erdoberfläche reichen können. Hamster schlafen in der Regel tagsüber und werden erst zu Beginn der Dämmerung aktiv. Bei der Futtersuche legen die Tiere enorme Strecken zurück. Futter, das sie nicht gleich verzehren, wird in den Backentaschen gesammelt und anschließend im Bau gespeichert.

Hamster verständigen sich untereinander eher durch Körpersprache als durch Laute. Quieken, Kreischen, Fauchen oder Knurren sind hauptsächlich bei Auseinandersetzungen zwischen Artgenossen zu hören.

Sinkt die Außentemperatur unter 15°C, lässt die Aktivität der Goldhamster erheblich nach. Die Tiere verstopfen ihren Bau und fallen bis zum Einsetzen wärmerer Temperaturen in einen Winterschlaf-ähnlichen Zustand.

 

Haltung

Der Goldhamster ist von Natur aus ein Einzelgänger. Nur während der Paarung dulden die Weibchen Männchen in ihrer Nähe. Es gibt allerdings auch Zuchtformen, die weniger aggressiv gegenüber Artgenossen sind. Im allgemeinen jedoch sollte ein Goldhamster weder mit Artgenossen noch mit anderen Heimtieren zusammen gehalten werden. Jungtiere sollten bei der Abgabe wenigstens vier Wochen alt sein Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Goldhamsters beträgt zwei bis drei Jahre.

Für die bewegungsaktiven Hamster sind die handelsüblichen Käfige in der Regel viel zu klein. Auch bei täglichem Auslauf sollte der Käfig mindestens 80 cm lang und zumindest 40 cm breit sein. Die Höhe sollte so bemessen werden, dass man mehrere miteinander verbundene Etagen einrichten kann.

Der Abstand der Gitterstäbe sollte so eng sein, dass kein Tier entweichen oder sich darin einklemmen kann. Ausgediente Aquarien oder kompakte Kunststoffbehälter sind als ständiges Hamsterheim aufgrund der fehlenden Luftzirkulation und der glatten, kletteruntauglichen Wände nicht geeignet.

Als Einstreu empfiehlt sich die im Handel übliche saugfähige Heimtierstreu. Da Hamster gerne graben, sollte die Einstreu mindestens 8 cm hoch in die Bodenschale eingefüllt werden. Sägemehl, Torf oder Hobelspäne aus der Tischlerei sind zu staubig. Der Staub führt zu Augenreizungen und Atemwegserkrankungen und ist ebenso wie Zeitungspapier (giftige Druckerschwärze) als Einstreu nicht geeignet. Sauberkeit ist für das Wohlbefinden des Hamsters sehr wichtig. Die gesamte Einstreu sollte einmal wöchentlich ausgewechselt werden, die Streu im Bereich der bevorzugten „Toilettenecke" dagegen täglich.

Damit sich der Hamster tagsüber zurückziehen kann, benötigt er ein Schlafhäuschen, am besten aus unbehandeltem Holz. Zum Auspolstern bietet man ihm Heu, Stroh oder Zellstoff an. Zur Grundausstattung des Hamsterheims gehören darüber hinaus ein standfester Futternapf (am besten aus Keramik), Nippeltränke unf eine Heuraufe. Käfig, Futter- und Trinkgefäße werden einmal pro Woche gründlich mit warmem Wasser gereinigt.

Um sein starkes Bewegungsbedürfnis befriedigen zu können, benötigt der Hamster ein Laufrad. Nur so kann er im Käfig die Strecken zurücklegen, die freilebende Hamster sonst bei der Futtersuche bewältigen. Aufgrund der hohen Beanspruchung des Laufrades muss sichergestellt sein, dass es stabil konstruiert ist und der Hamster sich keine Verletzungen zufügen kann. Die teilweise scharfkantigen Laufräder aus Kunststoff können zernagt werden und sind ungeeignet. Hamsterkugeln, Hamsterautos und ähnliche bewegliche Konstruktionen sind nicht tiergerecht und bergen darüber hinaus erhebliche Verletzungsrisiken. Auch bunte Kunststoffröhren sind nicht für die Einrichtung eines Hamsterheims geeignet. In den engen Röhren bekommt der Hamster nicht genug Sauerstoff, er kann sich darin festklemmen und ersticken.

Artgerechte Spiel- und Versteckmöglichkeiten bieten dagegen Schlupfröhren aus Ton, Korkeiche oder auch tunnelartige Rindenstücke. Zum Klettern können neben Ästen und Leitern auch knorrige Wurzelstücke oder ein hochkant im Käfig aufgestellter Ziegelstein dienen. Zum angeborenen Verhalten des Hamsters gehört das Bedürfnis, seine Umgebung zu überblicken. Ein erhöhter Beobachtungsplatz, beispielsweise in Form eines schräg gelegten dicken Astes, wird gern angenommen. Als Standort des Hamsterkäfigs wählt man einen hellen, trockenen und zugluftfreien Platz in Tischhöhe ohne direkte Sonneneinstrahlung (nicht neben der Heizung oder Elektrogeräten). Die Raumtemperatur sollte gleichmäßig 18-20 Grad Celsius betragen. Der Fußboden ist als Standort ungeeignet, da das Annähern von oben zu Schreckreaktionen führen kann. Zusätzlich muss darauf geachtetwerden, dass das Hamsterheim für andere Haustiere wie Hund oder Katze unerreichbar ist.

Um dem Hamster mehr Bewegungsmöglichkeit zu bieten, kann man zahmen Tieren Freilauf im Zimmer gewähren. Da Hamster gern klettern, sich aber andererseits bei Stürzen schwer verletzen können und auch sonst vielfältige Gefahren in der Wohnung lauern, ist es unbedingt wichtig, den Hamster beim Freilauf nicht aus den Augen zu lassen.

Beim Freilauf muss jede Gesundheits- oder Verletzungsgefahr für das Tier ausgeschlossen werden. Mögliche Gefahrenquellen sind zum Beispiel: Elektrokabel, die angenagt werden können; Eimer, Kübel und ähnliche Gefäße, in die der Hamster hineinfallen kann; offene Schranktüren und Schubladen; enge Spalten zwischen Möbeln und Wand, in denen sich der Hamster festklemmen kann; giftige Blumensträuße, Gestecke und Zimmerpflanzen sowie freilaufende andere Haustiere.

Eine andere Beschäftigungsmöglichkeit außerhalb des Käfigs ist eine eigene Buddelkiste für den Hamster. Dazu füllt man ein stabiles, ausreichend großes Behältnis mit Kleintierstreu oder Sand. Geeignet dafür ist gereinigter Sand für Kindersandkisten. Dieser sollte zuvor für eine Stunde bei 180 Grad im Backofen erhitzt werden, um eventuelle Krankheitserreger abzutöten. Im abgekühlten Sand kann der Hamster nach Lust und Laune Gänge und Höhlen graben. Wer als Buddelkiste ein durchsichtiges Behältnis (z.B. Aquarium, Terrarium) verwendet, kann sogar zuschauen, was unter der Erde geschieht.

 

Umgang

Goldhamster sind von Natur aus eher scheu und ängstlich. Nur durch behutsames Vorgehen kann man diese Tiere an die Menschenhand gewöhnen. Kinder sollten den korrekten und behutsamen Umgang mit dem Tier unter Anleitung lernen. Da Hamster dämmerungsaktiv sind, sollte man sich grundsätzlich erst abends mit ihnen beschäftigen. Werden die Tiere tagsüber aus dem Schlaf gerissen, reagieren sie mürrisch und beißen schon einmal zu.

Auch wenn der Hamster bereits handzahm ist, nähert man sich ihm von vorn (nicht direkt von oben, Raubvogeleffekt!) leise sprechend und ohne gleich nach ihm zu greifen. Man nimmt den Hamster am besten auf, indem man ihn mit gewölbten Händen umschließt, ohne ihn jedoch dabei zu drücken. Wird der Hamster auf der Handfläche oder am Körper getragen, sollte er immer mit einer Hand abgesichert werden, da er schnell einmal herunterfallen kann. Ruckartige Bewegungen müssen unbedingt vermieden werden, da sich das Tier sonst erschrecken und herunterspringen könnte. Bereits Stürze aus einem Meter Höhe können zu schweren Verletzungen führen.

Wenn sich der Hamster auf den Rücken wirft und vielleicht dazu noch faucht, geht er in Abwehrposition. Streichelt man ihn dann trotzdem weiter, kann man leicht gebissen werden.

 

Ernährung

Goldhamster sind, im Gegensatz zu Kaninchen und Meerschweinchen, keine reinen Vegetarier, sondern nehmen auch tierische Nahrung (hauptsächlich Insekten) auf. Um gesund zu bleiben, benötigt der Hamster eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung. Gefüttert wird am besten am späten Nachmittag oder Abend. Aus hygienischen Gründen wird das Futter grundsätzlich in einem Futternapf angeboten.

Als Grundfutter dient ein aus verschiedenen Körnern und Sämereien bestehendes Fertigfutter für Goldhamster. Am Tag frisst ein Goldhamster etwa 10-15 Gramm (ungefähr ein Esslöffel voll); was zuviel ist, wird im Nest auf Vorrat gesammelt. Für eine artgerechte Ernährung braucht der Goldhamster darüber hinaus täglich etwa ein bis zwei Teelöffel Grün- beziehungsweise Saftfutter (Obst und Gemüse) sowie tierisches Eiweiß. Futterumstellungen müssen grundsätzlich sehr behutsam durchgeführt werden, damit der Hamster keinen Durchfall bekommt.

An Grünfutter können unter anderem Petersilie, junge Brennesseln, Löwenzahn und Weißklee (in kleinen Mengen) gegeben werden. Um Verdauungsstörungen wie Durchfall oder Blähungen zu vermeiden, werden zu Beginn der Grünfütterung nur wenige Blättchen am Tag gegeben. Grünfutter darf niemals angewelkt gefüttert werden. Dann nämlich bilden sich im Darmtrakt Gase, an denen das Tier qualvoll sterben kann. Auch Kohlsorten können solche Gärungsprozesse hervorrufen und sollten daher nicht gefüttert werden.

An Obst und Gemüse können Äpfel, Birnen, Bananen, Weintrauben, Karotten, Blattsalat, Futterrüben und Gurken gegeben werden. Grundsätzlich muss das Futter frei von Pestizidrückständen sein. Aus dem Kühlschrank entnommene Hamsternahrung sollte vor dem Füttern auf Raumtemperatur erwärmt werden. Saftfutter sollte immer frisch, aber nicht nass sein und nur in kleineren Mengen gereicht werden. Auch getrocknete Früchte (ungeschwefelt!) werden gern gefressen.

Etwa ein Drittel der Tagesration des Hamsters sollte aus tierischem Eiweiß bestehen (etwa 1 Teelöffel am Tag). Hierzu werden abwechselnd Magerquark, etwas hartgekochtes Ei, etwas gekochtes Rind- oder Geflügelfleisch, gefriergetrocknete Garnelen oder Mehlwürmer angeboten. Auch ein kleines Stück Hundekuchen wird gern benagt. Gekochter Schinken, Hartkäse und Essensreste sind zu sehr gesalzen und für die Hamsterernährung ebensowenig geeignet wie Brot, Gebäck und Süßigkeiten.

Da der Goldhamster Futter, das er nicht gleich verzehrt, auf Vorrat lagert, sollte das Schlafhäuschen täglich auf verderbliche Futterreste untersucht und diese entfernt werden. Gutes Heu als Ergänzung sowie Trinkwasser müssen ständig zur Verfügung stehen. Das Trinkwasser sollte täglich erneuert werden. 

Die Nagezähne des Hamsters wachsen ständig nach und müssen durch Nagen an harten Gegenständen abgenutzt werden. Ungespritzte Zweige von Obstbäumen, Weiden und Buchen sind dazu gut geeignet. Wenn die Zähne dennoch zu lang werden, behindern sie das Tier beim Fressen und müssen vom Tierarzt gekürzt werden.

 

Gesundheit

Sowohl bei der Auswahl (am besten abends, da der Hamster dann aktiv ist) als auch bei der Haltung eines Goldhamsters sollte man besonderes Augenmerk auf die Gesundheit des Tieres richten. Bei artgemäßer Haltung werden Hamster nur selten krank. Ein gesunder Hamster hat ein glattes, glänzendes Fell und einen wohlgenährten Körper. Während seiner abendlichen Aktivitätsphasen ist er lebhaft, neugierig und hat Appetit. Die Augen des Tieres sind klar und glänzend, die Augenränder dürfen nicht verklebt sein. Verkrustete Nasen- oder Ohrenöffnungen sind typische Anzeichen für ein krankes Tier. Verunreinigungen in der Aftergegend weisen auf eine Durchfallerkrankung hin.

Bei guter Haltung und Pflege sollten die Krallen kurz sein und die Beine, besonders die Gelenke, keine Verdickungen aufweisen. Ein gesundes Tier bewegt sich leicht, ohne Anzeichen von Beschwerden. In seltenen Fällen, wenn er zu wenig Gelegenheit zum Scharren und Graben hat, können auch beim Hamster die Krallen zu lang werden und ihn behindern. In diesem Fall müssen sie vom Tierarzt gekürzt werden.

Hamster dürfen nicht gebadet werden, sie könnten sich leicht eine tödliche Erkältung zuziehen. Gesunde Tiere pflegen und putzen sich selbst.

Für jeden Tierhalter muss es selbstverständlich sein, bei den ersten Anzeichen einer Erkrankung (z.B. deutlich verminderte Aktivität, tränende Augen etc.) sofort den Tierarzt aufzusuchen.

Bereits mit eineinhalb Jahren können beim Hamster die ersten Alterserscheinungen auftreten. Er ist dann deutlich weniger aktiv, schläft mehr, frisst weniger, und auch das Fell wird matter.

Durch die Übernahme eines Tieres aus dem Tierheim leisten Sie einen aktiven Beitrag zum Tierschutz.

Nützliche Links dazu finden Sie hier.

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